Orange Wine

 

Orange Wine verdankt seinen Namen allein der orangen Farbe. Mit der Orangen-Frucht hat er nichts gemein. Zumindest in den deutschsprachigen Ländern gehört Oranger Wein noch zu den Exoten, gewinnt aber zunehmend an Popularität. Dabei scheiden sich an ihm die Weingeister. Viele Kenner loben seine ausgefallenen, komplexen Aromen und die Harmonie mit diversen Speisen, andere sprechen von einem ungenießbaren Gebräu.

Es ist zuallererst eine Frage der Qualität des getesteten Weins, wie das Urteil ausfällt. Allerdings sind Geschmack und Geruch der angebotenen Orange Wine-Sorten auch sehr vielfältig. Während manche Winzer noch experimentieren, können andere schon köstlichen Orange Wine liefern. Wer für Neues offen ist, der darf jedenfalls eine angenehme Überraschung erwarten. Dass etliche Spitzenköche hochwertigen Orange Wine ausschenken, gibt dem Trend weiteren Auftrieb.

Wie schmeckt Orange Wine?

Sie sind vielleicht noch nicht mit dem Geschmack von Orange Wine vertraut, aber es lohnt sich trotzdem, ihn zumindest einmal zu probieren! Das Spektrum der Geschmacks-Wahrnehmung ist vielfältig, wird aber vom Traubenaroma dominiert. Dazu gesellen sich Noten von Trockenfrüchten bzw. sehr reifen Früchten, Kräutern und Nüssen, die eine interessante Mischung ergeben. Mancher Gourmet fühlt sich an Sherry erinnert. Bei einer Blindverkostung würde man vermutlich eher auf einen Rot- als auf einen Weißwein tippen, obwohl Orange Wine seine ganz eigenen Geschmacksnoten mitbringt.

Während man Weißwein eher mit dem Attribut „fruchtig-frisch“ verbindet, kommt Orange Wine sehr kräftig, komplex und überwiegend trocken daher.

Farbe des Orange Wines

Oranger Wein wird häufig als vierte Farbe der Weinfamilie neben Weißwein, Rotwein und Rosé angesehen, obwohl sich seine Farbe vorwiegend aus dem Herstellungsprozess und weniger aus der Traubenfarbe erklärt. Orangen Wein gibt es in diversen Farbabstufungen. Von Altgold über Orange bis zu einer dunkleren Bernsteinfarbe ist alles möglich. In manchen Ländern, wie Georgien, wo er eine lange Tradition hat, verwendet man deshalb auch den Namen „Bernstein-Wein“.

Je länger die Maischegärung bzw. Mazeration, desto dunkler fällt der Wein aus. Durch die natürliche Hefe kann er etwas trüb wirken.

Herstellung von Orange Wine

Orange Wine wird aus weißen Weintrauben hergestellt, wobei der Traubensaft für einige Zeit zusammen mit den Schalen und sonstigen Bestandteilen der Trauben vergoren wird. Man spricht von „Hautkontakt“. Der komplette Mazerationsprozess läuft folgendermaßen ab:

Abbeeren und Einmaischen

Zunächst werden die reifen Weintrauben abgebeert, also vom Stielgerüst der Trauben befreit. Dann erfolgt das Einmaischen, das heißt, sie werden maschinell oder mit den Füßen zu Maische zusammengedrückt. Sie besteht aus den Traubenschalen, den Kernen, dem Fruchtfleisch und dem Saft.

Gärung auf Maische

Das Maischegemisch beginnt recht schnell zu gären. Während dieser Maischegärung gehen Farbpigmente, Phenole und Tannine aus den Schalen in den Traubensaft über. Genau das vermeidet man bei der gängigen Weißweinproduktion, weil man so keinen hellen und fruchtig-frischen Wein erzielt. Bei der Herstellung von Weißwein kommt der Traubensaft separat in die Gärbehälter. Bei der Rotweinproduktion ist die lange Gärung auf Maische hingegen üblich. Orange Wine ist also ein Weißwein, der ähnlich wie ein Rotwein produziert wird.

Maischestandzeit

Die Maischestandzeit ist sehr wichtig für den späteren Charakter des Orange Wines. Sie kann einige Tage betragen, nimmt aber meist Wochen oder sogar Monate in Anspruch. Je länger der Wein auf der Maische gärt, desto körperreicher, kräftiger und komplexer entfalten sich seine Aromen. Angaben zur Länge des Prozesses finden Sie gelegentlich auf den Webseiten der Händler und Winzer.

Viele Weinkenner schwören darauf, dass der Orange Wein erst völlig durchgegoren sein muss, was meistens Monate dauert. Dennoch führen auch kürzere Gärzeiten mitunter zu sehr guten Ergebnissen. Fest steht, dass die durchgegorenen Weine kaum noch oder sehr wenig konservierenden Schwefel und keine Zusatzstoffe wie künstliche Hefen, Zucker und Enzyme oder spezielle Behandlungen benötigen. Ihr Wein-Mikrobiom ist stabiler und sie werden meist ungeschönt und ungefiltert abgefüllt und jahrelang gelagert.

Ausbau

Im Anschluss an die Maischegärung wird der angehende Wein zur weiteren Reifung umgefüllt. Traditionell arbeitende Winzer setzen auf Amphoren für den oxydativen Ausbau. Orange Wine kann aber auch in Holzfässern, Beton- und Stahltanks reifen.

Ist Orange Wine identisch mit Naturwein?

Oranger Wein kann wie ein Naturwein produziert werden, muss es aber nicht. Das hängt vom Winzer und vom Herstellungsverfahren ab. Dazu gibt es keine Vorschriften. Im Idealfall wird er sehr naturnah produziert. Viele Orange-Weine kommen deshalb auch aus biologischem oder biodynamischem Anbau. Wer auf Weinmessen oder dem Orange-Wine-Festival mit seinem Orangen Wein positiv auffallen will, der muss sich nach den EU-Anforderungen an ökologische bzw. biologische Weine richten.

Optimale Trinktemperatur für Orange Wine

Die ideale Trinktemperatur für Orange Wine entspricht ungefähr der für Rotwein. Bei einigen Sorten liegt man mit 10° C richtig. Bei den meisten beträgt die Optimaltemperatur zwischen 14° C und 16° C. In einigen Onlinehops wird die ideale Serviertemperatur für den jeweiligen Wein angegeben.

Auf jeden Fall sollte der Orange Win nach dem Öffnen ein Weilchen an der Luft atmen, um sich voll entfalten zu können.

Welches Essen passt zu Orange Wine?

Orange Wine passt zu Fischgerichten, aber auch zu hellem Fleisch wie Kalb oder Pute. Selbst exotische Speisen lassen sich damit gut kombinieren. Durch seinen kräftigen Geschmack kann er sich auch zu würzigen Gerichten wie Curry behaupten.

Qualität des Orange Wine

Was beeinflusst die Qualität des Orange Wine?

Die Qualität des Orange Wine hängt vom

  • Boden,
  • der Lage und den Umweltbedingungen des Weinanbaugebietes,
  • Klima- und Wetter,
  • verwendeten Rebsorten und deren Gesundheit,
  • dem Wein-Mikrobiom und
  • dem Prozess der Weinherstellung

ab.

Qualitätsbewertung

Bislang gibt es noch kein Weingesetz, das die Anforderungen an Orange Wein regelt, um ihn zu einem Qualitätswein zu küren. Entsprechend kann sich der Käufer auch nicht an Prüfnummern und Prädikaten orientieren. Nur in Ausnahmefällen werden in Deutschland und Österreich schon amtliche Prüfnummern für Orange Weine vergeben. Allerdings betrifft das Sorten, die nur geringfügig oxidativ ausgebaut sind.

Bei der amtlichen Qualitätsweinprüfung werden die herkömmlichen Weine nach einem 5-Punkte-Schema bewertet. Farbe und Klarheit sind für einen Qualitätswein ebenso wichtig wie das Typische, das man von der angegebenen Rebsorte, der Qualitätsstufe und Herkunft des Weines erwarten kann.

Während es einem Profi sicher auch ohne Kriterien möglich ist, ein Urteil über Geschmack, Geruch und Harmonie eines Weines zu fällen, taugt das 5-Punkte-Schema in seiner bisherigen Auslegung nicht zur Beurteilung des Orangen Weins, denn gerade das Typische, Erwartbare von einer Rebsorte und Herkunft sprengt die neue Sorte mit ihren überraschenden Eigenschaften.

Da Neues aber nicht schlechter sein muss, wäre es wünschenswert, dass sich die amtlichen Weinexperten schnellstmöglich auf einen Anforderungskatalog für Orange Wine einigen. Das würde den Winzern mehr Sicherheit und bessere Möglichkeiten bei der Vermarktung eines Orange Qualitätsweins bescheren. Für Käufer wiederum entfielen die Unsicherheiten beim Weinkauf, wo schwarze Schafe der Weinbrache ihren umgekippten Weißwein mitunter als Orange Wine preisen und so dem Ruf des neuen Produktes schaden.

Einigermaßen sicher kann man beim Kauf von Orange Wine heute nur sein, wenn man auf die Sieger von Weinverkostungen und Messen setzt oder auf Empfehlungen von Weinkennern vertraut. Da Orange Wine ohnehin im mittleren bis höheren Preissegment angesiedelt ist, taugt das Preisschild nur wenig als zuverlässiges Kaufkriterium.

Orange Wine Festival

Regelmäßig treffen sich Winzer zum Orange Wine Festival, um ihre neuen Produkte einem breiten Publikum zu präsentieren. Die bekanntesten europäischen Orange-Wine-Festivals finden Jahr für Jahr im April in Izola (Slowenien) und im Herbst in Wien (Österreich) statt. Neben Wein werden dort auch weitere kulinarische Köstlichkeiten wie Käse, Trüffel und Salami angeboten. Außerdem hat das Orange Wine Festival auch in Piacenza (Norditalien) schon eine mehrjährige Tradition. Ein Fest gleichen Namens feiert man auch in Australien. Allerdings scheint sich der Name dort mehr auf den Austragungsort „Orange“ des Festivals, als auf die Weinart zu beziehen.

Zulassungsbestimmungen für die Orange Wine Festivals von Izola und Wien

Auf den Orange Wine Festivals sind ausschließlich durch verlängerte Mazeration hergestellte Weißweine zugelassen. Die Trauben müssen möglichst naturgemäß und am besten nachhaltig angebaut werden. Natürliche Prozesse und ein gesunder Lebensraum sind immens wichtig.

Oft wurden die Winzer auf früheren Orange Wine Festivals mit weiteren Qualitätsanforderungen konfrontiert:

Die Trauben waren von Hand zu pflücken und das Weinherstellungsverfahren sollte möglichst natürlich ablaufen. Außerdem durften keine Verfahren zur Anwendung kommen, die die EU bei der Herstellung ökologischer bzw. biologischer Weine verbietet. Darunter fielen Konzentration durch Kälte, Entschwefelung durch physikalische Verfahren, Elektrodialyse und Verwendung von Kationenaustauschern. Weiterhin durfte der Sulfitgehalt nicht höher sein als bei EU-Biowein erlaubt. Zur Beurteilung werden internationale Experten herangezogen.

Den aktuellen Anforderungskatalog erfahren Winzer beim jeweiligen Veranstalter des Orange Wine Festivals.

Geschichte des Orange Wines

Die Herstellung von Orange Wine ist gar nicht so neu. Allenfalls der Begriff wurde erst in jüngerer Zeit geprägt. Schon in der Antike vergrub man Quevris (Amphoren aus Ton) in der Erde, um darin auf ganz natürliche Art und ohne äußere Einflüsse Wein reifen zu lassen. In Georgien stellen viele Winzer ihren Wein schon lange nach diesem traditionellen Verfahren her. Ende der 1990er Jahre wurde das Verfahren von den Westeuropäern neu entdeckt, wobei Slowenien und Italien die Vorreiter waren.

Wo wird Oranger Wein angebaut?

Neben Georgien, Slowenien und Italien wird Oranger Wein zum Beispiel auch in Österreich der Schweiz, Deutschland, Deutschland, Kroatien, Frankreich und Amerika angebaut.

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